Symbolik in China

Symbolik spielt in China seit jeher eine besonders große Rolle. Aufgrund der starken Hierarchien, die es während der gesamten Kaiserzeit aufgrund des vorherrschenden Konfuzianismus gab, bediente man sich mehr und mehr der indirekten Kommunikation. Kritik, seine eigene Meinung und Wünsche behielt man für sich. Dieses Prinzip zieht sich bis heute durch die chinesische Kultur. Direktheit gilt als unschicklich und man möchte sein Gegenüber vor einem möglichen Gesichtsverlust (丢面子) bewahren. Man umschreibt viel lieber auf möglichst elegante Art und Weise. Dazu werden sehr gern geschichtliche Ereignisse, Gleichnisse oder Metaphern herangezogen.

Viele Symbolzeichen entwickelten sich aufgrund ihrer homophonen Lautung zu glückverheißenden Zeichen. Dies ist bei folgenden Beispielen der Fall:

Das Schriftzeichen 鱼 (yú) heisst Fisch und steht aufgrund seiner ähnlichen Lautung zu dem Schriftzeichen für Überfluss 裕 (yù) für Reichtum. Das Schriftzeichen für Fledermaus 蝠 wird fú ausgesprochen. Die gleiche Aussprache hat das Zeichen 福 (fú), was Glück bedeutet. Daher gilt die Fledermaus in der chinesischen Kultur als Glücksbringer. Sowohl Fische, als auch Fledermäuse finden sich häufig in der chinesischen Kunst wieder. So zieren sie beispielsweise Porzellan, Malereien, Textilien oder Möbelstücke.

Koi-Karpfen

Symbol für Reichtum in China: Koi-Karpfen

Symbolik in der Tier- und Pflanzenwelt

Weitere Beispiele finden sich in der Tier- und Pflanzenwelt wieder. So stehen Mandarinenten oder ein Kranichpärchen für eheliche Treue, da sie ein Leben lang zusammen bleiben. Der Drache (龙 lóng) gilt als Herr aller Tiere und war lange Zeit das Symbol des Kaisers. Das Pendant zum Drachen ist der Phönix – er steht für die chinesische Kaiserin und ist zugleich Symbol für eine friedvolle Welt. Auch die chinesischen Tierkreiszeichen stecken voller Symbolik und haben in China eine lange Tradition.

Mandarin-Enten

Mandarinenten-Paar

Als die „Drei Freunde im Winter“ tauchen Kiefer, Pflaumenblüte und Bambus oft gemeinsam in der chinesischen Kunst auf. Kiefer und Bambus sind auch im Winter grün und die Pflaumenblüte blüht noch vor Frühlingsbeginn. Die Kiefer ist daher ein Symbol für Unsterblichkeit und ein langes Leben. Der Bambus neigt sich im Wind ohne zu brechen – er steht für den aufrechten Charakter eines Literatengelehrten. Die Pflaume ist Symbol für den Winter und steht durch ihre kurze Blüte ebenso für Vergänglichkeit.

Autorin: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Dozentin für Chinesisch | Mitarbeiterin im Museum für Ostasiatische Kunst Köln | Mitarbeiterin im Museum für Lackkunst Münster | Blog-Redakteurin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.