Die Fünf Klassiker des Konfuzianismus – Teil II

Im zweiten Teil unserer Reihe „Die fünf Klassiker des Konfuzianismus“ stellen wir Ihnen die übrigen vier der fünf klassischen chinesischen Werke vor. Dies sind das Shijing („Buch der Lieder“), das Shujing („Das Buch der Urkunden“), das Chunqiu („Die Frühlings- und Herbstannalen“) und das Liji („Aufzeichnungen über die Riten“).

2. Shijing – Das Buch der Lieder

Das Shijing 詩經 („Buch der Lieder“) ist auch unter dem Titel „Oden“ bekannt. Es ist zwischen dem 10. und dem 7. Jahrhundert v.Chr. entstanden und enthält eine Sammlung von 305 chinesischen Liedern bzw. Gedichten. Das Shijing ist unterteilt in 160 Volkslieder (風 feng), 74 kleinere Festlieder (小雅 xiaoya), 31 größere Festlieder (大雅 daya) und 40 Hymnen (頌 song). Die Fest- und Preislieder gehen unter anderem auf die Shang-Zeit (16. – 11. Jh. v.Chr.) zurück und wurden zum Beispiel anlässlich von Opferfesten gesungen.

Die in Versen angeordneten Lieder bilden Reime und sind durch textliche Stilmittel wie Wiederholungen, Symmetrie etc. gekennzeichnet. Für die Erforschung sprachwissenschaftlicher Aspekte hat das „Buch der Lieder“ bezüglich Grammatik, Semantik und teilweise auch Phonetik eine sehr große Bedeutung.

Chinesische Trommel

3. Shujing – Das Buch der Urkunden

Die ältesten Teile des Shujing 書經 („Buch der Urkunden“), auch Shangshu 尚書, stammen aus der Zeit des 2. Jahrhunderts v.Chr. Das Werk ist auch unter dem Namen „Dokumente“ bekannt. Es enthält überwiegend Texte aus dem politischen Bereich, die aus Reden oder Erklärungen früherer Herrscher bestehen. Einige haben die Rechtfertigung der Eroberung der Shang durch die Zhou zum Inhalt. Einer der Abschnitte aus dem Shujing, der sehr häufig zitiert wird, heißt Hongfan („Der Große Plan“). Es geht dabei um unterschiedliche Regierungsweisheiten in Bezug auf den Konfuzianismus. Ein weiteres Kapitel, das sogenannte Yugong („Tribute des Yu“), befasst sich mit der frühesten bekannten Reichsbeschreibung Chinas.

4. Chunqiu – Frühlings- und Herbstannalen

Bei dem chinesische Klassiker mit dem poetischen Titel Chunqiu („Frühlings- und Herbstannalen“) handelt es sich um eine Chronik der Ereignisse des Staates Lu vom 8. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. Diese Zeit wird in der heutigen Geschichtsschreibung als sogenannte „Chunqiu-Zeit“ bezeichnet. Traditionell wird die Autorschaft des Werkes Konfuzius – dem großen Meister persönlich zugeschrieben.

Durch die Knappheit des Chunqiu gibt es unterschiedliche Auslegungen des Textes und so sind zahlreiche Kommentare zum Chunqiu entstanden. Die Kommentare versuchen, mögliche Fragen, die der Text aufwirft, aufzuklären. Zu den bekanntesten Kommentaren zählen das Zuozhuan sowie das Gongyang zhuan und das Guliang zhuan.

5. Liji – Das Buch der Riten

Das Liji 禮記 („Aufzeichnungen über die Riten“) ist ein Buch über konfuzianische Verhaltensregeln im Umgang mit den Ahnen, dem König und der Familie. Es ist das umfangreichste der fünf kanonischen Werke und wird traditionell ebenfalls Konfuzius zugeschrieben. Es ist allerdings erst entstanden, nachdem Konfuzius gelebt hat und wird in Teilen auf Schüler des Konfuzius zurückgeführt. Das „Buch der Riten“ ist ebenfalls im Jahr 1930 von dem Sinologen Richard Wilhelm übersetzt worden und umfasst mehr als 49 juan (Rollen bzw. Kapitel).

Autorin: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Dozentin für Chinesisch | Mitarbeiterin im Museum für Ostasiatische Kunst Köln | Mitarbeiterin im Museum für Lackkunst Münster | Blog-Redakteurin

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