Die Fünf Klassiker des Konfuzianismus – Teil I

Die „Fünf Klassiker“ gelten als die Basis der chinesischen Geistesgeschichte und stehen in der Tradition des Konfuzianismus. Der Begriff „Fünf Klassiker“, auf Chinesisch 五經 (Wǔjīng), wird erstmals in der philosophischen Debatte im Steinkanal-Pavillon um 51 v.Chr. erwähnt. Zu den berühmten „Fünf Klassikern“ gehören das Yijing 易經 („Buch der Wandlungen“), das Shijing 詩經 („Buch der Lieder“), das Shujing 書經 („Buch der Urkunden“), das Chunqiu 春秋 („Frühlings- und Herbstannalen“) sowie das Liji 禮記 („Aufzeichnungen der Riten“).

Die „Fünf Klassiker“ gehörten im antiken China zu den wichtigsten Lehrmaterialien zur Vorbereitung auf das bedeutendste Ereignis eines chinesischen Intellektuellen – die chinesische Beamtenprüfung. Die Inhalte der chinesischen Klassiker reichen von politischen über kosmologische, poetische, gesellschaftliche bis hin zu historischen Themengebieten. Das in den Klassikern enthaltene konfuzianische Gedankengut galt als moralische Maxime der alten Zeit und hatte darüberhinaus einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft. Im ersten Teil unserer Klassiker-Reihe stellen wir Ihnen den bekanntesten der „Fünf Klassiker“ des Konfuzianismus vor – das Yijing.

Yin und Yang

Yin und Yang

1. Yijing – Das Buch der Wandlungen

Das Yijing 易經, gilt als der älteste der fünf klassischen chinesischen Texte. Es ist zugleich eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur. Das Yijing wird allgemein als Orakelbuch oder philosophisches „Weisheitsbuch“ bezeichnet. Der älteste Teil der Kompilation enthält 64 Hexagramme (Anordnung von Strichen) und dazugehörige Sprüche, die unterschiedlich gedeutet werden können. In diesem Zusammenhang haben auch Yin 阴 (Schatten, Mond, weiblich…) und Yang 阳 (Licht, Sonne, männlich…) eine wichtige Funktion. Durch sie werden alle Dinge im gesamten Kosmos bestimmt und in einem harmonischen Gleichgewicht gehalten. Sie spielen auch eine tragende Rolle in der ältesten philosophischen Weltanschauung Chinas – dem Daoismus.

Die legendäre Entstehungsgeschichte des Yijing wird traditionell bis in das 3. Jahrtausend v.Chr. zurückgeführt. Das Werk liegt in kompilierter Form vor und kann keiner einzelnen Person zugeschrieben werden. Es ist vielmehr eine Ansammlung von verschiedenen Textteilen und Kommentaren, welche über einen sehr langen Zeitraum entstanden ist.

Der deutsche Sinologe Richard Wilhelm hat durch seine Übersetzung des „Buchs der Wandlungen“ vom klassischen Chinesisch ins Deutsche sehr große Bekanntheit erlangt. In seiner Übersetzung nutzt Richard Wilhelm für den Titel die Umschrift I Ging. Auch finden sich mitunter die historischen Umschriften I-Ching oder Yi-King für das berühmte Weisheitsbuch. Für die Entwicklung der chinesischen Kultur ist das Yijing in etwa mit der Bibel vergleichbar. Es hat aber keinen religiösen Charakter, sondern soll Möglichkeiten aufzeigen, als menschliches Wesen seinen Weg in einem sich ständig im Wandel befindenden Kosmos zu finden.

Autorin: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Dozentin für Chinesisch | Mitarbeiterin im Museum für Ostasiatische Kunst Köln | Mitarbeiterin im Museum für Lackkunst Münster | Blog-Redakteurin

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