Chinesisch ist nicht gleich Chinesisch

Chinesisch ist mit etwa 1,3 Milliarden Sprechern die meist gesprochene Sprache der Welt. Doch Chinesisch ist nicht gleich Chinesisch. Die chinesische Sprache lässt sich in 8 verschiedene chinesische Sprachen (Dialekte) unterteilen. Diese lassen sich noch einmal in verschiedene Unterkategorien aufsplitten. Spricht man vom Chinesischen, so meint man üblicherweise die nordchinesischen Dialekte. Diese bezeichnet man als Hochchinesisch 普通话 oder Mandarin. Es gibt etwa 955 Millionen Sprecher des Mandarin, wobei es in China überwiegend nördlich des Jangtse gesprochen wird. Aber auch in einigen wenigen Provinzen südlich des Jangtse sowie auf Taiwan, in Malaysia, Indonesien und in Singapur spricht man Mandarin.

Der Begriff Mandarin (官话 guānhuà) kommt aus dem Portugiesischen und bedeutet übersetzt „Sprache der Mandarine“. Die portugiesischen Missionare, die ab dem 16. Jahrhundert nach China kamen, bezeichneten die chinesischen Beamten am Kaiserhof als Mandarine. So wurde der Begriff Mandarin gleichbedeutend mit der am Kaiserhof von den Beamten gesprochenen Sprache des Hochchinesischen.

Chinesisch: Die acht verschiedenen Sprachen (Dialekte)

Sprache/Dialekt Sprecher Hauptverbreitungsgebiet
Mandarin ca. 955 Millionen China, Taiwan, Malaysia, Indonesien, Singapur
Wu ca. 80 Millionen Shanghai, Jangtse-Mündung
Min ca. 75 Millionen Fujian, Hainan, Taiwan
Yue/Kantonesisch ca. 70 Millionen Guangdong, Guangxi, Hongkong, Macao
Gan ca. 48 Millionen Jiangxi, Hubei, Hunan, Anhui, Fujian
Jin ca. 48 Millionen Shanxi, Innere Mongolei, Hebei, Henan
Hakka ca. 48 Millionen Südchina, Taiwan
Xiang ca. 38 Millionen Hunan

Sprecher von verschiedenen Dialekten können sich untereinander oft nur schwierig oder gar nicht verständigen. Es handelt sich im Grunde nämlich nicht um verschiedene Dialekte, sondern um unterschiedliche Sprachen.

chinesisch-mandarin

Klassische chinesische Texte liest man von oben nach unten

Der Vorteil der chinesischen Schriftzeichen jedoch ist, dass diese dialektübergreifend fast überall und von allen gelesen werden können. Kann man sein Gegenüber nicht verstehen, so wird das gemeinte Schriftzeichen kurzerhand mit einem Finger in die Hand „geschrieben“. Ausnahmen bilden Hongkong, Taiwan und Macao. Hier werden noch immer die traditionellen Langzeichen benutzt. Diese werden in der Volksrepublik China nicht mehr verwendet. In der VR China wurden die chinesischen Schriftzeichen im Zuge der Schriftzeichenreform 1956 vereinfacht und sind seitdem als Kurzzeichen bekannt.

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Autorin: Anna Sellmann

Sinologin M.A. | Dozentin für Chinesisch | Mitarbeiterin im Museum für Ostasiatische Kunst Köln | Mitarbeiterin im Museum für Lackkunst Münster | Blog-Redakteurin

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